9. Mai 2012
„Nicht kleckern, sondern klotzen“
Neuste Erkenntnisse zur Bauforschung auf der Burg

Nicht kleckern, sondern klotzen“, so lautet die Kernbotschaft von Dr. Gerd Strickhausen, welche der Burgenexperte Anfang Mai auf einer von den Medien (TV und Presse) gut besuchten Pressekonferenz im Terracottasaal der Mittelburg machte. Der Vortragsort hätte nicht besser ausgewählt sein können, denn gerade die frühe Baugeschichte der Mittelburg stand im Fokus der Ausführungen von Strickhausen, der seit vielen Jahren mit seiner Frau, Dr. Nina Strickhausen-Bode, die spannende Historie des Kronberger Wahrzeichens erforscht und die derzeitige Burgsanierung bauarchäologisch betreut. Strickhausen kommt auf Basis seiner aktuellen und sehr intensiven Recherchen zu folgenden wichtigen Erkenntnissen:
1. In alten Urkunden findet immer wieder das „grote Hus“ – das „große Haus“ – Erwähnung. Bislang ließ sich das Gebäude nicht eindeutig lokalisieren. Strickhausen ist es nunmehr auf Grund genauen Quellenstudiums und bauhistorischer Analysen gelungen, den bisher als Kronenstammhaus bezeichneten Westteil der Mittelburg als das eigentliche „grote Hus“ zu identifizieren. Die Bezeichnung „Kronenstammhaus bürgerte sich hingegen erst weit später ein. Dessen Errichtungszeit lässt sich laut Strickhausen durch die dendrochronologische  Altersbestimmung – d.h. Datierung anhand der Jahresringe des verbauten Holzes – eindeutig und zweifelsfrei auf die Jahre 1318 bis 1322 eingrenzen. Bislang wurde der Baubeginn um 1440 angenommen. Strickhausens Fazit: „Das sogenannte Kronenstammhaus ist somit über 100 Jahre älter als bislang angenommen, sodass die Baugeschichte neu zu schreiben ist. Zudem sind die bisherigen Gebäudezuordnungen auf der Mittelburg weitgehend hinfällig.“
2. Das „grote Hus“ ist mit seinen Ausmaßen von 22 Meter Länge und 13,60 Breite ungewöhnlich groß geraten und trägt seine Bezeichnung völlig zu Recht.  Für die hessische Burgenlandschaft stellt das Gebäude auf jeden Fall eine bis lang unbekannte bauhistorische Besonderheit dar, welche die Bedeutung der Burg Kronberg unterstreicht. Für Strickhausen ist es sehr erstaunlich, dass sich die damals zum Niederadel gehörende Kronberger Familie einen solch großzügig dimensionierten Bau überhaupt leisten konnte. Bauten dieses Ausmaßes aus dem Hochmittelalter kennen die Historiker fast ausschließlich nur von hochadeligen Erbauern oder gar Reichsfürsten. „Das zeigt, auf welch hohem Anspruchsniveau sich Hartmut von Kronberg als wohl sehr finanzstarker Bauherr bewegte“, so Strickhausens Kommentar bei der Pressekonferenz. Hartmuts Motto lautete im wahrsten Sinne des Wortes: Nicht kleckern, sondern klotzen.
WR 12.05.2012

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